Bands & Stasi

Wie anderswo auch, unternahm das MfS (Ministerium für Staatssicherheit) alles, die volle Kontrolle über die Kulturszene zu behalten. Und es fanden sich auch immer wieder Musiker und Funktionäre, die sich nicht zu schade waren, an „Schirm und Schwert der Partei“ einschlägige Informationen zu liefern…

Das konnten private Fehden zwischen Musikern sein, wie bei „IM Artur Abendroth“, einem recht bekannten Musiker aus der Region, oder einfach nur Charaktermängel und dumpfe weltanschauliche Verbohrtheit wie bei „FIM Bergen“ alias Richard Bothge. Und oft waren es Musikerkollegen oder Funktionäre, denen man das nie zugetraut hätte. Wie eben auch in den beiden hier genannten Fällen. Bands brauchen Öffentlichkeit, ein Publikum. Sind sie gut, können Sie ihren Fans durchaus Botschaften rüberbringen. Vor nichts hatte die Führung der verflossenen DDR mehr Angst, als vor solch unkontrolliertem Einfluss. Grund genug, der Szene besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

In Abschriften einiger weniger Dokumente aus der umfänglichen Stasi-Akte von Hans–Jürgen („Männe“) Knobloch kann das mit dessen freundlicher Genehmigung nachgelesen werden. Die Texte wurden wörtlich übernommen, lediglich Rechtschreibung und Interpunktion wurden korrigiert. Notwendige Erklärungen sind in eckigen Klammern eingefügt.

Mitteilung von Heinz-Gerold Briese, Leiter der Abteilung Kultur beim Rat des Kreises Görlitz, an die Kreisdienststelle Görlitz des Ministeriums für Staatssicherheit:

Görlitz, den 7.2.1972

Lt. Mitteilung des VPKA Görlitz vom 18.1.1972 ist gegen den Leiter der Kapelle „Meteor-Quintett“, Kollegen Hans-Jürgen Knobloch, wohnhaft in Reichenbach, Görlitzer Str. 5, ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden wegen Alkohol am Steuer… Daraufhin wurde von uns die Spielerlaubnis eingezogen. Er war damit nicht einverstanden und hat sich zweimal beschwerdeführend an uns gewandt. Bei diesen Aussprachen haben wir ihm mitgeteilt: Die Spielerlaubnis erhält er erst wieder, wenn er uns den Beweis erbringt, dass er nach Abschluss seines Ingenieur-Studiums einer geregelten Arbeit nachgeht. Vom Betrieb muss uns die Befürwortung vorgelegt werden, dass er nebenberuflich Tanzmusik ausüben darf.  Nach der Urteilsverkündung werden wir festlegen, ob er bis zur Erteilung der Spielerlaubnis eine befristete Spielerlaubnis von uns ausgehändigt bekommt. Es wurde ihm von uns nahegelegt, vorübergehend einen Ersatzmusiker an seiner Stelle in die Kapelle aufzunehmen. Vorübergehend – um die nächsten Einsätze durchführen zu können – erhält er von uns bis Mitte Februar eine befristete Spielerlaubnis. Die Veranstaltungen, an denen er noch mitwirken kann, sind von uns festgelegt worden. Auch damit erklärte sich Herr Knobloch nicht einverstanden und beklagte sich darüber, dass er doppelt bestraft wird (einmal als Bürger durch das Gericht, einmal als Musiker durch uns). Auch darüber haben wir nochmals mit ihm gesprochen. Trotzdem sieht er unsere Festlegungen als nicht gerechtfertigt an. Ein Rechtsanwalt – Name hat er uns nicht gesagt – soll angeblich unsere Festlegungen auch nicht als rechtmäßig anerkannt haben.

(Handschriftlich unterschrieben) Briese

Handschriftliche Aktennotiz von Ultn. Schwarz, Dienststelle Görlitz des Ministeriums für Staatssicherheit

Görlitz, den 14.5.73

Aktennotiz zur Person Knobloch, Hans-Jürgen

Durch „FIM Bergen“ wurde bekannt, dass Knobloch in seiner Funktion als Leiter der Laientanzkapelle einer Mitwirkung an den X. WfS [X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten 1973 in Ost-Berlin] mit seiner Kapelle negativ gegenübersteht. Er versuchte, in geführten Aussprachen seine Mitwirkung von finanziellen Forderungen abhängig zu machen. Weiterhin vertrat er die Auffassung, dass die vorgegebenen DDR-Titel unmodern sind, der Drang der Jugend nach VE-Titeln [verbotenene Einfuhr >> Westtitel, die in der DDR nicht verlegt waren und somit nicht gespielt werden durften] wäre unverkennbar. Mit „FIM Bergen“ wurde abgesprochen, Knobloch von der Teilnehmerliste zu streichen.

Schwarz / Ultn

Handschriftliche Aktennotiz von Ultn. Schwarz, Dienststelle Görlitz des Ministeriums für Staatssicherheit:

Aktennotiz 2.8.1974 Ultn. Schwarz, MfS-Diensstelle Görlitz

Dienststelle Görlitz Görlitz, den 2.8.74

Knobloch, Hans-Jürgen

Durch GMS/KP Person aus Reichenbach wurde bekannt, dass Knobloch, Hans-Jürgen, 4.3.1947, w.h. Reichenbach, Görlitzer Str. 5, zu den Nichtwählern der letzten Wahl zählte. Schwarz / Ultn.

Bandabschrift von Oltn. Urbanski, Dienststelle Görlitz des Ministeriums für Staatssicherheit:

Dienststelle Görlitz Görlitz, den 4.4.1975 ur. ED 7065 Bandbericht FIM „Bergen“ vom 03.04.75

Einschätzung Bezirksleistungsvergleich Tanzmusik 21.-23.03.75 in Riesa

Aus dem Kreis Görlitz nahm die Amateur-Tanzkapelle „Reflektion“[eigentlich Reflexion], Leiter Knobloch, an diesem Leistungsvergleich teil. Insgesamt waren 16 Kapellen zur Einstufung in die Sonderstufe angetreten. Um das Ergebnis gleich zu sagen, von den 16 haben nur 4 die Sonderstufe erreichen können, darunter die „Reflektion“ welche den ersten Platz insgesamt belegen konnte und den Preis des Stahl- und Walzwerkes Riesa entgegennehmen konnte und auch noch für eine gute Eigenkomposition ausgezeichnet wurde. Insgesamt waren sehr ordentliche Leistungen zu hören, obwohl in Frage gestellt ist, dass die Kapellen, so wie wir sie beim Leistungsvergleich gehört haben, auch in der Praxis so arbeiten, zumindest was die Kapelle „Reflektion“ betrifft, bestehen die größten Bedenken in dieser Hinsicht. Wir hatten Gelegenheit, mit Knobloch und Knothe und anderen Mitgliedern der Kapelle zu diskutieren. Interessant war, dass Knobloch gegenüber dem Sekretär für Kultur und Bildung der FDJ-Kreisleitung, Werner Jeschkowski, darzulegen versuchte, weshalb er 1974 nicht wählen gewesen ist. Er stellte es so dar, dass er durch ein Versehen den Wahlschein nicht bekommen hat, er wohnt in Reichenbach und arbeitet in Radeberg. Im Verlauf dieser Unterhaltung dieser Unterhaltung stellte er den Bürgermeister als Trottel und Bürokraten dar. Jeschkowski hat sich bemüht, Knobloch klarzumachen, dass er nicht im Sinne eines ordentlichen Staatsbürgers gehandelt hat… Insgesamt muss man feststellen, dass die Vertreterin des Kreiskabinetts für Kulturarbeit, Kollegin Barg, Ingrid, die politisch-ideologische Situation in der Kapelle „Reflektion“ falsch einschätzt, statt dem Knobloch auch die Meinung zu sagen für sein nicht gutes politisches Verhalten als Staatsbürger, versuchte sie, diese Angelegenheit zu bagatellisieren. Sie wollte sich auch dafür verwenden, dass Knothe evtl. später einberufen wird und gab also zu verstehen, dass sie sich bemühen wollte, dass diese Kapelle eingesetzt wird. Endgültig können wir sagen, dass nach Absprache mit dem Bezirkskabinett für Kulturarbeit in Dresden, Gen. Gerhard Fillebrand, am 02.04.1975 bei einer Beratung des Org.-Büros Zittau entschieden wurde, dass diese Kapelle nicht auftritt. Begründet wurde diese Entscheidung mit der Unsicherheit, die durch den Wegfall des Bassgitarristen Ulli Knothe entsteht und wir eine solche Unsicherheit nicht in Kauf nehmen können. Mit dieser Entscheidung wurde gleichzeitig der Auftrag des Ministeriums für Staatssicherheit, Dienststelle Görlitz, erfüllt, mit welcher vorher entsprechende Absprachen getroffen wurden.

gez. „Bergen“ f.d.r.d.a. (handschriftlich) Urbanski

Handschriftlicher Bericht FIM Bergen vom 07.08.1975:

ED 7065
Bericht

In der vergangenen Woche (297.75) erhielt ich davon Kenntnis, dass dem Kapellenleiter H.J. Knobloch von der Amateurtanzkapelle „Reflexion“ durch den Leiter der Abteilung Kultur des Rates des Kreises Görlitz, Genossen Werner Klay, die Spielerlaubnis entzogen wurde. Anlass dazu war die Feststellung, dass K. gegenwärtig in keinem Arbeitsrechtsverhältnis steht. Er soll in seinem Betrieb in Radeberg gekündigt haben, weil er keinen unbezahlten Urlaub erhalten hat, den er zur Auflösung des Haushaltes seiner kürzlich in Reichenbach verstorbenen Mutter benötigte.

Bei der zwischen Gen. Klay und K. durchgeführten Aussprache soll es sehr heftig zugegangen sein. Es wurde außerdem in diesem Zusammenhang festgestellt, dass K. in seiner Spielerlaubnis für den Zuschlag als Kapellenleiter 50% eingetragen hat, so dass er mehr Geld bezieht, als ihm lt. Einstufung zusteht. Bei der Aussprache war die Position Knoblochs so, dass er den Standpunkt vertrat, dass er nicht die Pflicht habe zu arbeiten, sondern das „Recht auf Arbeit“! Wie bekannt wurde, will Knobloch die Prüfung als Berufsmusiker machen! Leider wurde die durchaus richtige Handlungsweise des Gen. Klay nicht mit allen Konsequenzen weitergeführt.

Knobloch war für die Dorffestspiele in Girbigsdorf am 2. oder 3.8.75 vertraglich gebunden. Da ihm vorher die Spielerlaubnis entzogen worden war, konnte er diesen Vertrag nicht realisieren. Auf Drängen des Bürgermeisters von Girbigsdorf wurde ihm vom Rat des Kreises Görlitz eine Sondergenehmigung zum Spielen erteilt Wenn die Eintragung des 50% Kapellenleiterzuschlag in die Spielerlaubnis durch Knobloch selbst erfolgt ist, stellt diese Handlung ein strafrechtlich zu verfolgendes Delikt dar! Die Kapelle ist meines Wissens nach zu den 16. Arbeiterfestspielen delegiert! Auch in dieser Beziehung müssten ja entsprechende Schritte eingeleitet werden.

Görlitz, den 7.8.75

Bergen Schw. f. AS




„Kampfprogramm“

Im real existierenden Sozialismus, wie er auch gern offiziell beschrieben wurde, kämpfte man um alles, um die Planerfüllung genauso wie um die Beschaffung alles Lebensnotwendigen. Das allgemeine Kämpfen endete auch nicht in der Kultur. Wenn eine Band eine höhere Einstufung anstrebte, musste sie sich mit den Kulturfunktionären arrangieren. Die ließen die Musiker gern auch unfreiwillig komische Elaborate wie das folgende „Kampfprogramm“ unterschreiben…

Kampfprogramm

Um den hohen Anforderungen an Jugendtanzkapellen bei der Interpretation von moderner Tanzmusik besser gerecht werden zu können, nehmen wir den Kampf um den Titel „Hervorragendes Volkskunstkollektiv“ auf. Dabei haben wir uns folgende Aufgaben gestellt:

Qualifizierung

Alle Kapellenmitglieder qualifizieren sich auf musikalischem Gebiet (theoretisch und praktisch), um die Qualität des technischen und künstlerischen Leistungsvermögens zu erhöhen. Wir nehmen geschlossen am Ferienkurs für Instrumentalisten der Musikhochschule Dresden im Februar 1975 teil. Dadurch sollen die Voraussetzungen für eine positive Einflussnahme auf die Jugend bei der Geschmacksbildung im Bereich moderner Tanzmusik geschaffen werden als Teil der Heranbildung zur sozialistischen Persönlichkeit.

Intensive Vorbereitung auf das Tanzmusikfest im März 1975 in Riesa. Ziel ist es dabei, die erreichte Sonderstufe erfolgreich zu verteidigen und die Gelegenheit zum praktischen Erfahrungsaustausch zu nutzen.

Repertoiregestaltung

Bereicherung unseres Repertoires durch Verwendung von Themen der Klassiker und der Folklore zur Erhöhung der Vielseitigkeit.

Verstärkte Bemühungen auf dem Gebiet von Eigenkompositionen und Eigenbearbeitungen von bereits vorhandenen Werken.

Übernahme von Tanzmusikproduktionen der sozialistischen Bruderländer.

Gesellschaftliche Tätigkeit

Wir erklären unsere Bereitschaft zur Teilnahme an folgenden kulturellen Veranstaltungen:

Festival der Volkskunst sozialistischer Bruderländer im Mai 1975

Leistungsvergleich der Jugendtanzkapellen der Stadt und des Kreises Görlitz im Juni 1975

Eventuelle Einsätze bei Kulturveranstaltungen im Kreis Görlitz

Verbesserung der Zusammenarbeit mit dem Kreiskabinett für Kulturarbeit Görlitz.

Gewinnung einer Einrichtung oder eines Betriebes für die Übernahme einer Trägerschaft.

Görlitz, den 15.1.1975

REFLEXION – Görlitz Gesangs – und Instrumentalgruppe




Bands in der DDR

 

Von paradiesisch bis schikanös:

Die Bands der 50er bis 80er im Osten Deutschlands spielten unter Bedingungen, die heute nur schwer vorstellbar sind – im Positiven wie im Negativen…

Muggen über Muggen… (Mugge= Musikalisches Gelegenheitsgeschäft)

CD-Player, iPod und Diskotheken waren entweder noch nicht erfunden oder nicht zu beschaffen. Das hieß, wer tanzen wollte, war auf die handwerklichen Dienste von Musikern angewiesen. Und die wurden in beachtlicher Zahl benötigt, wie das Beispiel Görlitz zeigt:

Tägliche Tanzveranstaltungen gab es in den Etablissements Hotel „Stadt Dresden“, Hotel „Haus des Handwerks“, Hotel „Görlitzer Hof“, „Stadtcafe“, „Taverne“, „Bürgerstübel“, „Goldener Engel“. Wöchentlich 2 – 3 Tanzabende boten „Haus der Jugend“ genannt „Schuppen“, „Konzerthaus“, „Zwei Linden“, Kulturhaus „Hans Georg Otto“, „KEMA-Klubhaus“, „Karl-Marx-Klubhaus“ u.a. Es wurden folglich jede Menge Musiker gebraucht, und es gab sie auch. Es versuchten sich viele an einem Instrument. Ihrem kulturellen Horizont hat das auch dann nicht geschadet, wenn es am Ende nicht zum Musiker reichte.

Diese für Musiker eigentlich paradiesische Situation endete in den 80er Jahren mit der technischen Entwicklung und dem Entstehen erst mobiler, nach der Wende auch ortsfester Diskotheken.

Ost-Musiker an der kurzen Leine…

Dass die Bedingungen für die Musiker in der real existierenden DDR nicht zu paradiesisch wurden, dafür sorgten die Kultur-(=Partei-) Funktionäre mit diversen Regularien und Schikanen: Am bekanntesten ist wohl die Regelung, wonach generell 60% des Repertoires aus Titeln von DDR-Komponisten zu bestehen hatten. Die restlichen 40% durften aus der Zeit vor 1949, dem DDR-Gründungsjahr, oder aus dem Westen stammen. Letztere aber nur, wenn sie in der DDR verlegt waren. 60% des Repertoires hätte folglich kaum einer gekannt, denn man orientierte sich fast ausschließlich an westlichen Hitparaden. Was blieb den Bands übrig? Sie setzten sich über die Vorschriften hinweg. Und das mit dem Risiko, ein Auftrittsverbot einzufangen, wenn sie erwischt wurden.
Sie akzeptierten dafür sogar, anlässlich so genannter gesellschaftlicher Höhepunkte „spontane“ Texte zu unterschreiben, die ihnen von den Kreiskabinetten für Kulturarbeit als eigenes Elaborat untergejubelt wurden, wie das überzeugende Beispiel eines „Kampfprogramms“ (siehe Folgebeitrag) zeigt.

Ausscheide zwischen Bands gab es auf Kreis-, Bezirks- und DDR-Ebene. Hier z.B. Presseberichte über die Bautzener Band HonkyTonky:

Die Bands erfreuten sich natürlich auch der ausgezeichneten Aufmerksamkeit durch die Sicherheitsorgane der DDR. So gab es IM´s auch in der Szene (IM = Informeller Mitarbeiter, kurz: Spitzel). So schrieb ein IM Artur Abendroth – ein auch heute noch bekannter Musiker der Oberlausitz – fleißig herabwürdigende Berichte über einen Kollegen seiner eigenen Band. Aber die Stasi hatte auch unmittelbaren Einfluß, ob eine Band oder ein Musiker die Spielerlaubnis bekam oder nicht und wenn ja, zu welchen Bedingungen. Sie bestimmte letztendlich auch, ob eine Band bei herausgehobenen Veranstaltungen auftreten durfte oder nicht. Ein typisches Beispiel siehe Beitrag „Bands & Stasi“!

Vor die Amateurmusikerlaufbahn hatten die Funktionäre zudem eine „Einstufung“ gesetzt. Bestand man diese, gab es die sogenannte Spielerlaubnis, auch „Pappe“ genannt, die zur Ausübung von Tanzmusik berechtigte. In ihr war ein Stundensatz festgeschrieben, der vom Veranstalter gefordert werden durfte. Er lag zwischen 3,00 und 7,50 Mark, zuletzt 8,50 Mark. Die Gage eines fünfstündigen Tanzabends läßt sich daraus errechnen. Leider befanden über die Qualität einer Band weniger Fachleute, als Funktionäre.

Die DDR-Wirtschaft konnte den Musikern weder ordentliche Instrumente, geschweige denn sonstiges Gerät zur Verfügung stellen. Notgedrungen duldete der Staat Schwarzimporte aus dem Westen, welche natürlich voll zu Lasten der Musiker gingen: Das so erworbende Equipment war zum Kurs von anfangs 1:6, später bis 1:10 (DM zu Ostmark) zu berappen. Ein Yamaha-Synthi DX 7 kostete auf diese Weise zwischen 20.000,- und 30.000,- Ostmark. Und das bei einem durchschnittlichen Einkommen des DDR-Werktätigen von 800,- Mark monatlich.

Was bleibt?

Es bleibt die Erinnerung an eine große Zeit der Livemusik. Und es gibt Hoffnung:

Immer wieder entstehen neue Livebands mit teils beachtlichem Niveau. Der Erfolg von Livenächten in Kneipen vieler Oberlausitzer Städte wie Bautzen, Görlitz und Zittau lassen auf zunehmende Akzeptanz live gespielter Musik schließen. Beim Publikum ohnehin und bei Gastronomen hoffentlich auch.

Bleibt abzuwarten, wie sich die neue Gebührenordnung der GEMA auswirken wird. Gutes ist davon wohl nicht zu erwarten. Jedenfalls nicht für die Livemusikszene.