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Bands in der DDR

15 Mai 2013

Bands in der DDR

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Von paradiesisch bis schikanös:

Die Bands der 50er bis 80er im Osten Deutschlands spielten unter Bedingungen, die heute nur schwer vorstellbar sind – im Positiven wie im Negativen…

Muggen über Muggen… (Mugge= Musikalisches Gelegenheitsgeschäft)

CD-Player, iPod und Diskotheken waren entweder noch nicht erfunden oder nicht zu beschaffen. Das hieß, wer tanzen wollte, war auf die handwerklichen Dienste von Musikern angewiesen. Und die wurden in beachtlicher Zahl benötigt, wie das Beispiel Görlitz zeigt:

Tägliche Tanzveranstaltungen gab es in den Etablissements Hotel „Stadt Dresden“, Hotel „Haus des Handwerks“, Hotel „Görlitzer Hof“, „Stadtcafe“, „Taverne“, „Bürgerstübel“, „Goldener Engel“. Wöchentlich 2 – 3 Tanzabende boten „Haus der Jugend“ genannt „Schuppen“, „Konzerthaus“, „Zwei Linden“, Kulturhaus „Hans Georg Otto“, „KEMA-Klubhaus“, „Karl-Marx-Klubhaus“ u.a. Es wurden folglich jede Menge Musiker gebraucht, und es gab sie auch. Es versuchten sich viele an einem Instrument. Ihrem kulturellen Horizont hat das auch dann nicht geschadet, wenn es am Ende nicht zum Musiker reichte.

Diese für Musiker eigentlich paradiesische Situation endete in den 80er Jahren mit der technischen Entwicklung und dem Entstehen erst mobiler, nach der Wende auch ortsfester Diskotheken.

Ost-Musiker an der kurzen Leine…

Dass die Bedingungen für die Musiker in der real existierenden DDR nicht zu paradiesisch wurden, dafür sorgten die Kultur-(=Partei-) Funktionäre mit diversen Regularien und Schikanen: Am bekanntesten ist wohl die Regelung, wonach generell 60% des Repertoires aus Titeln von DDR-Komponisten zu bestehen hatten. Die restlichen 40% durften aus der Zeit vor 1949, dem DDR-Gründungsjahr, oder aus dem Westen stammen. Letztere aber nur, wenn sie in der DDR verlegt waren. 60% des Repertoires hätte folglich kaum einer gekannt, denn man orientierte sich fast ausschließlich an westlichen Hitparaden. Was blieb den Bands übrig? Sie setzten sich über die Vorschriften hinweg. Und das mit dem Risiko, ein Auftrittsverbot einzufangen, wenn sie erwischt wurden.
Sie akzeptierten dafür sogar, anlässlich so genannter gesellschaftlicher Höhepunkte „spontane“ Texte zu unterschreiben, die ihnen von den Kreiskabinetten für Kulturarbeit als eigenes Elaborat untergejubelt wurden, wie das überzeugende Beispiel eines „Kampfprogramms“ (siehe Folgebeitrag) zeigt.

Ausscheide zwischen Bands gab es auf Kreis-, Bezirks- und DDR-Ebene. Hier z.B. Presseberichte über die Bautzener Band HonkyTonky:

Die Bands erfreuten sich natürlich auch der ausgezeichneten Aufmerksamkeit durch die Sicherheitsorgane der DDR. So gab es IM´s auch in der Szene (IM = Informeller Mitarbeiter, kurz: Spitzel). So schrieb ein IM Artur Abendroth – ein auch heute noch bekannter Musiker der Oberlausitz – fleißig herabwürdigende Berichte über einen Kollegen seiner eigenen Band. Aber die Stasi hatte auch unmittelbaren Einfluß, ob eine Band oder ein Musiker die Spielerlaubnis bekam oder nicht und wenn ja, zu welchen Bedingungen. Sie bestimmte letztendlich auch, ob eine Band bei herausgehobenen Veranstaltungen auftreten durfte oder nicht. Ein typisches Beispiel siehe Beitrag „Bands & Stasi“!

Vor die Amateurmusikerlaufbahn hatten die Funktionäre zudem eine „Einstufung“ gesetzt. Bestand man diese, gab es die sogenannte Spielerlaubnis, auch „Pappe“ genannt, die zur Ausübung von Tanzmusik berechtigte. In ihr war ein Stundensatz festgeschrieben, der vom Veranstalter gefordert werden durfte. Er lag zwischen 3,00 und 7,50 Mark, zuletzt 8,50 Mark. Die Gage eines fünfstündigen Tanzabends läßt sich daraus errechnen. Leider befanden über die Qualität einer Band weniger Fachleute, als Funktionäre.

Die DDR-Wirtschaft konnte den Musikern weder ordentliche Instrumente, geschweige denn sonstiges Gerät zur Verfügung stellen. Notgedrungen duldete der Staat Schwarzimporte aus dem Westen, welche natürlich voll zu Lasten der Musiker gingen: Das so erworbende Equipment war zum Kurs von anfangs 1:6, später bis 1:10 (DM zu Ostmark) zu berappen. Ein Yamaha-Synthi DX 7 kostete auf diese Weise zwischen 20.000,- und 30.000,- Ostmark. Und das bei einem durchschnittlichen Einkommen des DDR-Werktätigen von 800,- Mark monatlich.

Was bleibt?

Es bleibt die Erinnerung an eine große Zeit der Livemusik. Und es gibt Hoffnung:

Immer wieder entstehen neue Livebands mit teils beachtlichem Niveau. Der Erfolg von Livenächten in Kneipen vieler Oberlausitzer Städte wie Bautzen, Görlitz und Zittau lassen auf zunehmende Akzeptanz live gespielter Musik schließen. Beim Publikum ohnehin und bei Gastronomen hoffentlich auch.

Bleibt abzuwarten, wie sich die neue Gebührenordnung der GEMA auswirken wird. Gutes ist davon wohl nicht zu erwarten. Jedenfalls nicht für die Livemusikszene.

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