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„Kampfprogramm“

15 Mai 2013

„Kampfprogramm“

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Im real existierenden Sozialismus, wie er auch gern offiziell beschrieben wurde, kämpfte man um alles, um die Planerfüllung genauso wie um die Beschaffung alles Lebensnotwendigen. Das allgemeine Kämpfen endete auch nicht in der Kultur. Wenn eine Band eine höhere Einstufung anstrebte, musste sie sich mit den Kulturfunktionären arrangieren. Die ließen die Musiker gern auch unfreiwillig komische Elaborate wie das folgende „Kampfprogramm“ unterschreiben…

Kampfprogramm

Um den hohen Anforderungen an Jugendtanzkapellen bei der Interpretation von moderner Tanzmusik besser gerecht werden zu können, nehmen wir den Kampf um den Titel „Hervorragendes Volkskunstkollektiv“ auf. Dabei haben wir uns folgende Aufgaben gestellt:

Qualifizierung

Alle Kapellenmitglieder qualifizieren sich auf musikalischem Gebiet (theoretisch und praktisch), um die Qualität des technischen und künstlerischen Leistungsvermögens zu erhöhen. Wir nehmen geschlossen am Ferienkurs für Instrumentalisten der Musikhochschule Dresden im Februar 1975 teil. Dadurch sollen die Voraussetzungen für eine positive Einflussnahme auf die Jugend bei der Geschmacksbildung im Bereich moderner Tanzmusik geschaffen werden als Teil der Heranbildung zur sozialistischen Persönlichkeit.

Intensive Vorbereitung auf das Tanzmusikfest im März 1975 in Riesa. Ziel ist es dabei, die erreichte Sonderstufe erfolgreich zu verteidigen und die Gelegenheit zum praktischen Erfahrungsaustausch zu nutzen.

Repertoiregestaltung

Bereicherung unseres Repertoires durch Verwendung von Themen der Klassiker und der Folklore zur Erhöhung der Vielseitigkeit.

Verstärkte Bemühungen auf dem Gebiet von Eigenkompositionen und Eigenbearbeitungen von bereits vorhandenen Werken.

Übernahme von Tanzmusikproduktionen der sozialistischen Bruderländer.

Gesellschaftliche Tätigkeit

Wir erklären unsere Bereitschaft zur Teilnahme an folgenden kulturellen Veranstaltungen:

Festival der Volkskunst sozialistischer Bruderländer im Mai 1975

Leistungsvergleich der Jugendtanzkapellen der Stadt und des Kreises Görlitz im Juni 1975

Eventuelle Einsätze bei Kulturveranstaltungen im Kreis Görlitz

Verbesserung der Zusammenarbeit mit dem Kreiskabinett für Kulturarbeit Görlitz.

Gewinnung einer Einrichtung oder eines Betriebes für die Übernahme einer Trägerschaft.

Görlitz, den 15.1.1975

REFLEXION – Görlitz Gesangs – und Instrumentalgruppe

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